Das Schuhhaus Meininger

Ich hatte eine Schulkameradin, nennen wir sie Angela.
Seit dem letzten Klassentreffen vor fünf Jahren hatte ich nichts mehr
von ihr gehört. Vorgestern Nachmittag dachte ich, "Mensch, Mat,
ruf sie doch einfach mal an!" Vielleicht freut sie sich darüber.

Am anderen Ende des Telefons hörte ich eine unfreundliche Männerstimme.
Seinen Namen verriet er mir nicht.

Ja, Schuhhaus Meininger!
"Wen möchten sie sprechen?"

"Frau Meininger"; sagte ich zu ihm.

"Wie bitte, Frau Meininger wollen Sie sprechen?"
"Nein, sie ist nicht mehr zu sprechen, sie ist schon zu Hause!" , bekam ich zur Antwort.

"Kann ich bitte die Telefonnummer bekommen?", fragte ich.

"Nein, die gebe ich Ihnen nicht, ich habe zu tun..."

Damit legte er auf.

Brrr... dachte ich, das war ein falscher Film. Na, nicht so schlimm!
Vielleicht war es ja ihr Ehemann und sie hatten gerade Ehekrach.
Sowas soll s` ja geben.
Na, dann rufe ich Angela morgen an.

Am nächsten Tag wählte ich wieder die Nummer vom Schuhhaus Meininger in Dresden.

Ich hörte eine Frauenstimme am Telefon, es war Angela.:

"Ja, Schuhhaus Meininger. Wer spricht mit mir?", fragte sie.

Dein Schulfreund Matthias Elstner, sagte ich zu ihr.

"Aha, Matthias. Sag mal, woher hast Du denn meine Nummer?"

"Die hast Du mir doch selbst bei unserem letzten Klassentreffen gegeben!",
gab ich ihr verwundert zur Antwort.

Einen Moment war Stille.

"Bitte rufe mich nicht mehr auf der Arbeit an, es ist mir peinlich wegen meinen Angestellten! Wenn, dann ruf mich bitte zu Hause an!"

"Ich habe doch gar keine Telefonnummer von Dir zu Hause! Ich wollte fragen wie es Dir geht und ich habe ein kleines Buch mit dem Titel "Meine kleine Welt" geschrieben und es sind Gedichte und Kurzgeschichten..."

"Was, Du willst mir Dein Buch "Meine kleine Welt" verkaufen?"
"Schicke es mir zu und ich werde es behalten oder Dir zurückschicken!",
sagte sie nachsichtig zu mir.
"Ich habe keine Zeit mehr!" Sprach s`, und legte auf...

Während des Telefonats und in dem Ton, in dem sie mit mir sprach, kam ich mir wie einer ihrer Angestellten vor, den sie gerade runterputzt. Ich fühlte mich wie ein alter weggeworfener Schuh, der zu nichts mehr zu gebrauchen ist.
Also so richtig ungeputzt, löchrig, verschlammt und mit zerrissenen Schnürsenkeln.

"Sie hat einen unmöglichen Umgang mit Menschen!", dachte ich, nachdem sich meine Seele wieder beruhigt hatte. Ich war wütend über ihre kalte, herzlose Art, so mit mir umzuspringen.
"Na, den typischen "Von oben herab Ton" der Reichen unserer Zeit hat sie gründlich gelernt!", stellte ich für mich fest.

"Dieser Ton ist nicht meine Frequenz!", sagte ich leise zu mir und löschte ihre Telefonnummer unter der Rubrik Freunde aus meiner Datenbank.

Schuhe kaufe ich mir jedenfalls nicht im "Schuhhaus Meininger" und auch nur in einem Schuhgeschäft, wo sie mir richtig passen und mich nicht bösartig drücken...

 

Manche Reiche sprechen Worte,
die dann oft nur peinlich sind.
Denn sie sind von dieser Sorte,
dass mir das Blut im Herz gerinnt!

Und sie leben nicht das Leben,
denn sie kennen nicht den Sinn!
Menschlichkeit, die geht daneben!
Denn die bringt ja kein Gewinn!

Nur ein Jammern ist zu hören!
So viel Arbeit immerzu!
Es sind Andere, die stören.
Im Inneren, da fehlt die Ruh`!

Gute Lieder die erklingen,
hören sie nicht, garantiert!
Lasst sie zu dem Golde singen!
Münzen glänzen frisch poliert.

Sie lief zum alten Michel,
tauscht ein Stein mit ihrem Herz.
Nur die Schwere von dem Selben
ließ sie dann nicht Himmelwärts.

Mit den armen, kranken Reichen,
kann ich nur noch Mitleid haben.
Lässt ein Stein sich denn erweichen
und gibt der Armut gute Gaben?

Alle Menschen sind gleich, nur manche etwas reicher...