Eine unheimliche Begegnung

Die Sonne schien mir in mein Gesicht und ließ die Staubpartikel in ihren Strahlen tanzen. Langsam wurde ich wach.
Frische Luft wehte durch die beiden geöffneten Fenster in die Wohnstube herein und in der Ferne grollte ein Gewitter.
Die Natur verharrte in einer sonderbaren Stille. Kein Singvogel zwitscherte mehr sein Lied, ja selbst die Schafe, Hühner und Kühe nebenan auf dem Feld waren nicht mehr zu hören. Erste Windböen fuhren in die Fensterläden und ließen sie leicht klappern.

Gerade hatte ich hohes Fieber überstanden und war sehr geschwächt. Ich schlief in der Wohnstube und mit viel Mühe konnte ich aufstehen, um meine Bedürfnisse zu verrichten. Gestern kam unser Arzt zum Hausbesuch und verordnete mir Penizillin. Es hatte mir sehr geholfen, aber von dem Fieber hatte ich einen schrecklichen Durst.
Nebenan in der Küche hörte ich meine Großmutter mit den Töpfen klappern. Sie kochte mir Tee und machte mir ein kleines Frühstück zurecht.
Ich schlief noch einmal kurz ein und gerade als ich die Augen wieder öffnete, schwebte eine bläulichweiße, von einem rotem Feuer umhüllte Kugel durch ein Fenster in unsere Wohnstube herein. In sich drehend kam sie langsam in das Zimmer, etwa einen Meter über dem Boden und verharrte auf der Stelle stehend über unserer Anrichte.
Erschrocken schaute ich die feurige Kugel an.
Langsam stand ich auf, ging zu ihr hin und blieb kurz vor ihr stehen. Sie war etwas größer als ein Fußball. Vorsichtig streckte ich meinen Zeigefinger nach ihr aus, um sie zu berühren.
Etwas in mir warnte mich aber davor. Es war die Angst vor dem Unbekannten.
Ich rief nach meiner Großmutter, aber meine Stimme war so leise und das klappern der Töpfe in der Küche so laut,
dass sie mich nicht hörte.Plötzlich veränderte die Kugel wieder ihr Aussehen. Sie wurde hellrot, schwefelgelb, drehte sich um sich selbst und setzte sich langsam in Bewegung. Sie schwebte zu dem anderen geöffneten Fenster, blieb kurz davor stehen, so als ob sie noch nicht heraus fliegen wollte und verschwand. Ich sah sie noch in der Ferne leuchten und dann war sie auf einmal weg.
So, als hätte sie nicht existiert.
Die Stubentür ging auf und Großmutter kam mit einer Kanne dampfenden Pfefferminztee und einem Teller mit Butter bestrichenen Zwieback herein. Ich erzählte ihr mein Erlebnis, aber sie dachte, es ist das Fieber...