Der Zug

Mir war kalt und ich stand auf dem Bahnhof. Die stählernen Gleise verliefen sich in alle Richtungen. Die große Bahnhofsuhr tickte und tickte und der große schwarze Zeiger bewegte sich immer genau nach einer Minute ruckartig vorwärts.
Jedes Mal war dann ein klackendes Geräusch zu hören.
Ich wartete und wartete, die Zeit verging und lange geschah nichts. Mit mir warteten unterschiedliche Reisende auf den Zug. Ich schaute in ihre Gesichter und sah, wie sich in ihnen Zufriedenheit, Verzweiflung, Liebe, Güte, Resignation oder Gleichgültigkeit widerspiegelte.
Ein Mädchen neben mir kramte hastig mit zitternden Händen in ihrem Rucksack und fand endlich ihren Proviant, ein kleines Stück Käse. Sie hatte Hunger und Angst. Ich öffnete meinen Rucksack und gab ihr mein belegtes Brötchen. Sie bedankte sich und es war etwas wunderbares, was in diesem Moment geschah.

Endlich fuhr der Zug auf dem Bahnsteig ein. Nehme ich den Zug oder warte ich auf den nächsten? Vielleicht warte ich dann für immer und bleibe auf dem Bahnhof?!
Ich hörte, wie die Weichen schwerfällig einrasteten, um dem Zug die Richtung zu geben und sah, wie das Signal von rot auf grün umschaltete. Der Zugführer kam aus dem letzten Wagen des Zuges und pfiff laut auf seiner Trillerpfeife. Langsam setzte sich der Zug in Bewegung und ich fand mich in einem Abteil wieder. Ich war im letzten Moment eingestiegen. Neugierig schaute ich aus dem Fenster und die Landschaft zog vorüber.
Ich wusste nicht, wohin der Zug fuhr, aber es war schön zu fahren, die Bewegung zu spüren,